Samstag, 1. August 2015

Ich bin eine glückliche Mama


Ein weiterer Mamstag in Wonnie-Wonderland.
Aber von mir (Mel) gibt es heute nix Kreatives,
denn heute ist so etwas Tolles passiert!

Also ganz allgemein betrachtet sehe ich mich
als einen glücklichen und erfüllten Menschen.
Meine Familie ist toll,
mein Beruf ist Berufung,
es gibt eine Menge Herzensmenschen in meinem Leben
und mich selber kann ich auch ganz gut leiden.

Ich bin vieles:
Ehefrau und Freundin,
Kreativkopf und Kollegin,
Entertainer und Denkerin -
aber ganz zuerst bin ich eine Mama.
Mit Stolz und Sorgen und Hoffnungen und Ängsten.
Also alles ganz normal.

Das hier hat mich heute glücklich gemacht:


Dieses Teil ist nicht einfach ein Aufnäher.

Mein großes Kind ist heute aus dem Zeltlager zurück gekommen.
Zwei Wochen lang analoger Urlaub
Im Sommerzeltlager mit den Pfadis.
Zwei Wochen aufgezwungene Gruppendynamik...
Mein Großer kommt nach Mama,
er ist kein Herdentier.

Was andere Kinder ganz natürlich lernen
ist bei uns immer ein bißchen mehr Arbeit.
Soziale Gefüge sind für ihn oft schwer nachvollziehbar,
feine Grauabstufungen zwischen Schwarz und Weiß oft ein Rätsel.
Während sein Mickybruder für vieles ein Gefühl hat,
was für die meisten Menschen ja auch irgendwie normal ist,
braucht Lion ein ziemlich festes Korsett aus Regeln
um seinen Alltag zu bewältigen.

Früher nannte man Menschen wie ihn "Klugscheißer" oder "Nerd",
heute will man Kinder wie ihn gerne zwangsdiagnostizieren,
weil sie nicht die Durschnittswerte der Kinderarzttabellen erfüllen.
Im Zeitalter von Inklusion gilt Anderssein zwar als schick,
auf die dazugehörige Mehrarbeit hat aber niemand Lust.
Verständnis in Kindergärten und Grundschule war bei uns ein frommer Wunsch.

Wer nicht 08/15 ist läuft schnell Gefahr ausgegrenzt zu werden.
Wenn Empathie nicht angeboren ist, ist Einzelgängertum vorprogrammiert.
Wenn Hänseleien dazu kommen,
heute sagt man ja auch bei Kleinkindern schon Mobbing,
macht es die Sache schwerlich besser.
Ein mieses Selbstwertgefühl ist die Folge.

Es ist hart diese Mechanismen zu kennen
und sein eigenes Kind nicht davor schützen zu können.

So kam es, daß nun dieses Sommerlager bevorstand
und der Sproß nicht fahren wollte -
so groß war die Angst es nicht zu schaffen,
das ganze Wandern und Schleppen und die vielen Menschen.

Ich habe mir so sehr gewünscht, daß er nach Hause kommt
und für sich sagen kann:
Ja, ich hatte Bedenken aber ich hab's gerockt!

Zwei Wochen können ganz schön lang sein...

Und heute in der Frühe kam der Trupp wieder zurück
und ein müdes, leicht miefendes aber komplett entspanntes Kind
hatte nicht nur die Reise überstanden -
er hat es genossen!
Fast 80 Kilometer mit dickem Wanderrucksack,
die Nächte im viel-Mann-Zelt,
kaum Raum für Rückzug wie sonst so oft nötig
und es war gut!

Warum ich das hier heute schreibe?
Ganz einfach:
Ich gebe Euch Mamas von "schwierigen" Kindern von Herzen den Rat,
Euch nicht belabern zu lassen weil Euer Kind nicht die Norm erfüllt.
Laßt Euch nicht zwingen Eure Kinder krank zu therapieren,
laßt Euch und Eure Lieben nicht Durchschnitt werden!!!

Und wenn man das durchhält,
wenn man einfach auf sein Gefühl hört,
das von dem Mist der einem aufgetischt wird nichts zu gebrauchen ist,
weil man einfach weiß, daß man auf dem richtigen Weg ist,
dann wird man irgendwann dafür belohnt.

Lion gab mir stolz den Aufnäher für seine Kluft,
damit ich ihn schnellstmöglich annähen kann.
Ok, erst muß das Ding in die Wäsche...
;-)

Heute bin ich noch mehr als sonst
Eine glückliche Mama.

Bleibt stark,
Herzensgrüße,
Mel 

Kommentare:

  1. Schön dass der junge Mann trotz anfänglicher Bedenken seinen Spaß hatte. Das Leben ist leider oft nicht so einfach wenn man ein Individuum und nicht "genormt" ist. Das Besonderheit auch etwas Gutes und Schönes sein kann, bei sich selbst und anderen, entdecken viele Kinder erst später oder auch nie. Je nach dem.
    Liebe Grüße
    Jennifer

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    1. Ja, es ist nicht einfach, wenn einem dann irgendwann bewußt wird, daß man nicht so tickt wie es von einem erwartet wird. Aber ich bin ganz sicher, daß er seinen Weg machen wird. Aber manchmal muß man ihn eben doch ein bißchen zu seinem Glück zwingen... Daß es sooo gut getan hat, hätte ich allerdings nicht erwartet. :-)
      GLG!!

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  2. Ein toll geschriebener Post!! Ehrlich und sensibel!
    Hat mir gut gefallen!
    Ich freu mich ehrlich mit dir, dass dein Sohn so eine tolle Erfahrung machen durfte!!
    Liebe Grüsse, Sandra

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    1. Danke für die lieben Worte!
      Ehrlich gesagt freue ich mich nicht nur für mein Kind - es ist gleichzeitig ein innerer Reichsparteitag! Am liebsten würde ich all die Flachpfeifen, die glauben sie wüßten besser wie ich mit meinem Sohn umzugehen habe oder die mich mit einem "ach... das wächst sich schon von alleine zurecht" abgespeist haben mit diesem Bericht bombardierten, damit die vielleicht endlich mal begreifen, daß auch ungewöhnliche Wege gute Wege sein können.
      GLG!!

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  3. das freut mich total für dich und ihn!!

    liebe grüße
    daniela

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    1. Danke Dir!
      Jetzt bin ich mal gespannt wann es Fotos gibt - das schreit natürlich auch nach Album... ;-)
      GLG!!

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  4. Toll ! Ich habe auch so ein Einzelgänger ... Alles Liebe Anita

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  5. Klasse daß ihr so schön positiv "überrascht" worden seid :) Freu mich für euch! Die Welt kann nicht genug solcher Erlebnisse haben :)
    Gruß scrapkat

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  6. Meinen Glückwunsch das du auf dein "Gefühl" hörst und jetzt sooooo positiv überrascht wurdest. Schön für euch Beide
    liebe Grüße ☺️☺️☺️
    Angelika

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